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Aschaffenburg-Nilkheim: Geschichtlicher Abriß
Der heutige Stadtteil Aschaffenburg-Nilkheim besteht jetzt etwa 70
Jahre. Die ältere Geschichte Nilkheims beginnt nicht am jetzigen Ort, sondern
einen knappen Kilometer weiter westlich, wo heute der Nilkheimer Hof und die
Kilianskapelle stehen. Hier treffen wir auf uralten, geschichtlichen Boden. Als
die Römer ab dem Ende des 1. Jahrhunderts den Limes zur Absicherung ihres
Gebietes nach Osten, zu den germanischen Stämmen hin zogen, lag dort zwischen
dem Kastell Stockstadt einerseits und den Kastellen von Niedernberg und
Obernburg andererseits eine Art Zwischenkastell. Nach der Völkerwanderung und
dem Ende des Römischen Reiches bildete sich das Reich der Franken, die mit der
Taufe Chlodwigs (508) den christlichen Glauben annahmen.
Nach jüngsten Ergebnissen der
Ortsnamenforschung bestand Nilkheim bereits Ende des 5. Jahrhunderts als
alemannische Siedlung („Nollo", Personenname, + ,,-ingen",
Ortsnamensendung). Diese Namensgebung wurde durch Hinzufügung der fränkischen
Ortsendung „-heim" im Zuge des Vordringens der Franken in unser
Gebiet (6. Jahrhundert)
„verfrankt"; dies lässt sich schließen aus den ältesten schriftlichen Überlieferungen
des Ortnamens aus dem 13./14. Jahrhundert: Nullenkeim, Nullinkem, Nullinkeim.
Für das erste Drittel des 8.
Jahrhunderts gilt als historisch gesichert, dass zu diesem Zeitpunkt ein dem
Hl. Dionysius geweihtes Gotteshaus wohl an derselben Stelle wie der der
heutigen Kilianskapelle vorhanden war, und damit auch eine dörfliche
Ansiedlung.
Das Erzbistum Mainz bemächtigte sich 982/83 der Stadt Aschaffenburg und
1278 des Bachgaus, so dass sich die Entwicklung des Dorfs unter dem Krummstab
vollzog. Das ehemalige Hofgut Nilkheim, die jetzige Stadtgärtnerei
Aschaffenburg, dürfte wohl ein altes Mainzer Domänengut gewesen sein. Der
Markgräflerkrieg in der Mitte des 16. Jahrhunderts brachte nicht nur der Stadt
Aschaffenburg unermesslichen Schaden - dort wurde die mittelalterliche Burg
zerstört - sondern leitete auch den Untergang des Dorfes ein, der im
Dreißigjährigen Krieg seinen Abschluss fand. Das Ackerland wurde aufgeteilt an
die Gemeinden Leider und (Groß-) Ostheim. Einzig das kurfürstliche Hofgut mit
angrenzenden Waldungen sowie die Kapelle blieben bestehen.
Der vorletzte Mainzer Erzbischof und Kurfürst, Friedrich Carl von Erthal
(1774 - 1802), begann ab 1775 mit der Anlage des Schönbuschs als
Landschaftsgarten, ließ Schlösschen und Gartenstaffagen erbauen und legte zwei
künstliche Seen an.
Ein Lederhändlersohn aus Frankfurt, Karl Freiherr von Mergenbaum, baute
in den Anfangsjahren des 19. Jahrhunderts das Hofgut aus und feierte, jetzt
unter dem bayerischen König, rauschende Feste. 1911 entstand mit dem
Eisenbahnbau Aschaffenburg-Höchst im Odenwald die Station Schönbusch-Nilkheim.
Erst in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts begann die Bebauung des jetzigen
Stadtteil-Gebiets. Man baute vorwiegend den Mainsand und -kies ab. Ausweisungen
von Familien aus den Aschaffenburger Kasernen, die im Zuge der Hitler'schen
Wiederbewaffnungspolitik benötigt wurden, brachten in den 30er Jahren Neuzugänge,
die vorwiegend in sog. Flachbauten, später auch in Siedlungshäuschen
untergebracht wurden. Zunächst gab es noch keinen festen Namen für dieses neue
entstehende Etwas: Siedlung an der Großostheimer Straße; Siedlung oder Straße
im Blauen, im Freien. Am Ende setzte sich der Name Nilkheim durch.
Eine Schule wird 1938 errichtet. 1953 kommt es zum Bau der Kath. Kirche.
Die evangelischen Christen treffen sich am Anfang in der Kilianskapelle am
Nilkheimer Hof, dann im Saal der Volksschule, bis 1967 der Jakobuskirchsaal
eingeweiht wird. Dank des Einsatzes vieler Siedlungsgemeinschaften und
-genossenschaften wächst Nilkheim, kann sich vom Ruch „Stadtrand-, Arbeiter-
und Barackensiedlung" lösen und bietet sich heute als ein Stadtteil dar,
der aufgrund der Nähe zur Innenstadt und der günstigen Lage zum
Landschaftsgarten und Erholungsgebiet Schönbusch einen hohen Wohnwert besitzt.
In seinem neuen Teil, der zwischen der Kleinen Schönbuschallee und der
bestehenden Anlage liegt, entstand durch die Vollendung des ev. Kirchenbaus ein
zusätzliches Zentrum. Bedeutende Industrieunternehmungen und –betriebe mit
Tausenden von Arbeitsplätzen, wie die Linde AG, die Takata-Petri-AG, Suffel
Fördertechnik usw. haben ihren Sitz im Industriegebiet Nilkheim-West.
Mittlerweile ist die Zahl von 6000 Einwohnern erreicht worden, so dass
Nilkheim als Stadtteil größer ist als Leider, Strietwald, Obernau und Gailbach.
Neueste Planungen zur Stadtentwicklung betreffen
den Rest des zur Stadt hin noch offenen Zwickels zwischen kleiner
Schönbuschallee und Großostheimer Straße. Die von der Stadt Aschaffenburg 2003
eingebrachte „Planungswerkstatt Nilkheim“ will die dort vorhandenen 27 Hektar
optimal gestalten.
Karl Köhler